Menstruationszyklus und Trainingsperiodisierung: Was eine neue Studie von 2026 sagt
Die Idee des „Cycle Syncing" — den Trainingsplan an die Phasen des Menstruationszyklus anzupassen, um die Leistung zu optimieren — hat sich in den letzten Jahren in den sozialen Medien verbreitet. Doch eine neue Studie, veröffentlicht am 23.5.2026 in der Zeitschrift Sports Medicine (Forschungsgruppe der Australian Catholic University, Brisbane), liefert nun die bislang detailliertesten empirischen Daten zu dieser Frage — und die Ergebnisse entsprechen nicht ganz dem, was Zyklus-Tracking-Apps bewerben.
Was die Studie tat
Die Forschungsgruppe begleitete 28 Frauen mit Krafttrainingserfahrung (Durchschnittsalter 27,1 ± 5,2 Jahre) über zwei 8-wöchige Mesozyklen unter direkter Aufsicht, mit Bench Press und Deadlift als Hauptübungen. Der Menstruationszyklus jeder Person wurde mit drei kombinierten Methoden bestimmt: Kalenderzählung, Urin-Ovulationstests und retrospektive Quantifizierung von Estradiol/Progesteron im Serum — ein deutlich strengerer Ansatz als in den meisten früheren Studien auf diesem Gebiet.
Kernergebnis: Unterschiede sehr klein, anders als erwartet
Bei der Bewegungsdynamik (Kinematik) während des Trainings stellte die Gruppe fest: „Die Unterschiede zwischen der beobachteten und der erwarteten mittleren Spitzengeschwindigkeit waren beim Bench Press in Phase 1 und 5 und beim Deadlift in Phase 1 und 6 statistisch signifikant, mit Abweichungen von etwa 0,01–0,02 m/s zwischen den Zyklusphasen." Das ist statistisch nachweisbar, aber praktisch nahezu bedeutungslos für durchschnittliche Trainierende.
Bemerkenswerter sind die psychologischen Faktoren: Die Trainingsmotivation war ein starker, statistisch signifikanter Leistungsprädiktor (β = 0,0004, p = 0,021), während die von vielen Athletinnen selbst eingeschätzte „Bereitschaft zu trainieren" die tatsächliche Leistung NICHT vorhersagte. Das Schmerzempfinden zeigte einen uneinheitlichen Zusammenhang je nach Übung — positiv mit der Bench-Press-Leistung korreliert, aber anders beim Deadlift.
Das Fazit der Autoren: Die Menstruationszyklusphase scheint nur minimalen Einfluss auf die Krafttrainingsleistung zu haben, was die Ansicht stützt, dass starre „Cycle-Syncing"-Vorschriften für die meisten Kraftsportlerinnen unnötig sind.
Was das für die Praxis bedeutet
- Kein Grund, das Training in bestimmten Zyklusphasen dramatisch umzugestalten — die beobachteten Leistungsunterschiede zwischen den Phasen waren winzig (0,01–0,02 m/s).
- Motivation und subjektives Befinden sind individuell unterschiedlich: Wer sich an manchen Tagen erschöpft fühlt, kann das Training entsprechend anpassen — ohne dass eine bestimmte Zyklusphase dies vorschreibt.
- Die „Bereitschaft", die man spürt, sagt die tatsächliche Leistung nicht zuverlässig voraus — verlasse dich lieber auf objektive Trainingsdaten (z. B. Geschwindigkeit, Wiederholungen) als nur auf das Gefühl.
- Dies ist eine allgemeine wissenschaftliche Zusammenfassung, keine individuelle Trainings- oder medizinische Beratung. Bei Zyklusstörungen, Schmerzen oder besonderen gesundheitlichen Fragen sollte eine Ärztin/ein Arzt oder eine qualifizierte Fachkraft konsultiert werden.
Nützliche Produkte
- Trainings-Logbuch — hilft, objektive Leistungsdaten (Gewicht, Wiederholungen, Geschwindigkeit) über den Zyklus hinweg zu verfolgen, statt sich nur auf das Gefühl zu verlassen.
Quelle: Sports Medicine (Springer) — Munteanu et al., 2026. https://link.springer.com/article/10.1007/s40279-026-02459-8