Antioxidantien-Supplementierung im Sport: Das neue offizielle ISSN Position Stand (2026)
Die Internationale Gesellschaft für Sporternährung (International Society of Sports Nutrition - ISSN) hat ihr aktualisiertes Position Stand für 2026 zur Rolle von Antioxidantien bei körperlicher Aktivität und sportlicher Leistung veröffentlicht. Die wissenschaftliche Bewertung wurde von einem führenden Expertenteam um Drew E. Gonzalez, Broderick L. Dickerson, Brandon M. Roberts und Kollegen durchgeführt.
Diese Stellungnahme bietet eine evidenzbasierte Zusammenfassung zu einer zentralen Frage im Sport: Sollten Sportler und Fitness-Enthusiasten Antioxidantien-Präparate (wie Vitamin C, Vitamin E, Polyphenole etc.) einnehmen?
1. Das Konzept der Hormesis: Freie Radikale sind nicht nur schädlich
Früher wurden reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies (ROS/RNS), die beim Training entstehen, ausschließlich als schädliche freie Radikale betrachtet. Die ISSN hebt jedoch das Prinzip der Redox-Balance (Redox balance) auf Basis der Hormesis hervor:
- Eustress (Nützlicher Stress): Moderater trainingsinduzierter oxidativer Stress dient als essenzielles biologisches Signal. Er regt natürliche Anpassungsprozesse an, fördert die mitochondriale Biogenese, steigert die Ausdaueranpassung und unterstützt den Muskelaufbau.
- Distress (Schädlicher Stress): Übermäßiger oxidativer Stress (durch Übertraining, hohe Wettkampfdichte, Schlafmangel oder Umweltverschmutzung) kann Zellmembranen schädigen, die Immunfunktion beeinträchtigen und die Regeneration verzögern.
2. Das Risiko hochdosierter Nahrungsergänzung
Eine Kernbotschaft der ISSN-Stellungnahme 2026 lautet: Hochdosierte Antioxidantien-Supplementierung kann Trainingsanpassungen abschwächen (blunt):
- Die Einnahme hochdosierter Antioxidantien (z. B. Vitamin C ≥ 1000 mg/Tag oder hochdosiertes Vitamin E) rund um das Trainingsfenster unterdrückt die notwendigen ROS-Signale.
- Die Folge ist eine verringerte mitochondriale Biogenese sowie eine Abschwächung des Kraft- und Muskelzuwachses.
3. Praktische Empfehlungen der ISSN
Die ISSN empfiehlt eine individuell angepasste Strategie:
Erste Priorität: Der « Food-First »-Ansatz (Ernährung vor Nahrungsergänzung)
Die ISSN rät Sportlern, ihren Antioxidantienbedarf primär über eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Nüssen und Vollkornprodukten zu decken. Natürliche Lebensmittel liefern ein Synergieeffekt-Netzwerk an sekundären Pflanzenstoffen, ohne die Redox-Homöostase zu stören.
Wann ist eine gezielte Einnahme sinnvoll?
Eine exogene Nahrungsergänzung mit Antioxidantien sollte nur in spezifischen Ausnahmesituationen erwogen werden:
- Diagnostizierter Mikronährstoffmangel: Wenn ein klinischer oder ernährungsbezogener Befund vorliegt.
- Hohe Wettkampfdichte / Gewichtsreduktion: Bei mehrtägigen Turnieren mit mehreren Wettkämpfen pro Tag oder beim Abkochen im Kampfsport.
- Extreme Umweltbedingungen: Training in großer Höhe oder bei hoher Luftverschmutzung.
4. Fazit für die Praxis
- Breitensportler / Fitness: Eine routinemäßige Einnahme von hochdosiertem Vitamin C/E zur Linderung von Muskelkater ist unnötig und kontraproduktiv. Eine pflanzenreiche Ernährung reicht völlig aus.
- Leistungssportler: Eine gezielte Supplementierung sollte von einem Sporternährungsberater präzise dosiert und zeitlich abgestimmt werden.
Empfohlene Produkte
- Multivitamine für Sportler — zur optimalen Abdeckung der täglichen Mikronährstoffe.
Quelle: Journal of the International Society of Sports Nutrition (JISSN), Position Stand: Effects of Dietary Antioxidants on Exercise and Sports Performance (2026).
Quelle: Journal of the International Society of Sports Nutrition (JISSN)